Heißwasserkontrolle wird häufig in Warmwassertanks und Trinkwasser-Verteilersystemen zur Legionellenkontrolle in gewerblichen Bereichen und im Gesundheitswesen verwendet. Dennoch veranlasst die zunehmende Komplexität des Systementwurfs sowie steigende Wartungskosten Unternehmensleiter dazu, effizientere Alternativen in Betracht zu ziehen. Dr. Simona Vasilescu von der Innovationsplattform für Wasserbehandlung bei NCH Europe, dem weltweiten Anbieter von Lösungen für Wasser, Energie, Wartung und Instandhaltung, erklärt, wie Oxidationstechnologie zur Legionellenkontrolle genutzt werden kann.

Menschen sind widerstandsfähige Kreaturen. Das ist zweifellos richtig, wenn man sich die Biologie betrachtet, die unsere interne Struktur ausmacht. Würde man alle Adern unseres Körpers verbinden, würde man auf eine überwältigende Länge von 60.000 Meilen (96.560 km) kommen. Es ist somit unglaublich, dass unser Körper auf effiziente Art und Weise in der Lage ist, eine Betriebstemperatur von 37 °C zu erhalten.

Trotz aller Bemühungen seitens der Ingenieure bleibt es jedoch eine Herausforderung, ähnlich effiziente Warmwassertanks und Verteilersysteme zu entwickeln, insbesondere in gewerblichen Bereichen und im Gesundheitswesen, wo man eine Verbrühungsgefahr für jüngere, ältere und behinderte Menschen sowie Patienten mit einem Verlust sensorischer Funktionen befürchtet.

Der lange Arm

Das Amt für Gesundheit und Sicherheit (HSE) erlässt Vorschriften zur Legionellenkontrolle gemäß dem Legionellen-L8-Leitfaden. Dies trifft auf Wassersysteme zu und umfasst Rohrleitungen, Pumpen, Tanks, Ventile, Duschen, Wasserenthärter und Wassererwärmer.

In gewerblichen und Geschäftsanwendungen gelangt die kommunale Wasserversorgung in einen Vorratsbehälter im Gebäude und wird von dort aus häufig in einen Tank oben auf dem Gebäude gepumpt – in statischen Umgebungen bieten stehendes Wasser und Temperaturen zwischen 20 und 45 °C einen Brutplatz für Legionellen.

Heiß und kalt

Herkömmliche Temperaturregelung sieht eine Trennung des Wassers in geeignete Heiß- und Kaltwassersysteme vor. Das kalte Wasser wird bei einer Umgebungstemperatur von unter 20 °C gespeichert und Warmwasser wird auf 60 °C erwärmt, um Bakterien abzutöten. Thermostatische Mischventile mischen das warme und kalte Wasser, um eine angenehme Wassertemperatur zu bieten und anschließend Wasserhähne und Duschen zu versorgen.

Toträume sowie schwer erreichbare Bereiche erreichen die erforderlichen 60 °C, damit Legionellen abgetötet werden, ggf. nicht und das hat mehr Bereiche mit warmem, stehendem Wasser zur Folge. Da Warm- und Kaltwassersysteme außerdem häufig nah beieinander liegen, wie z.B. im Hauptkern oder Aufzugsschacht eines Gebäudes, kann es durch den Wärmeaustausch zwischen zwei Rohrleitungen zu einer Temperaturerhöhung des Kaltwassers kommen.

Exorbitante Energiepreise

Auch wenn eine gründliche Risikobewertung stattgefunden hat und ihr temperaturgeregeltes Wassersystem für eine sichere und gefährdungsfreie Nutzung konzipiert wurde, häufen sich dennoch Kosten für Wartung und Instandhaltung, Reparaturen und Strom an.

Da die Legionellenvorschriften erfordern, dass Wasser bei einer Temperatur von 60 °C gespeichert wird, gehören Anbieter im Gesundheitswesen zu denjenigen, die mit den höchsten Stromverbrauch in der UK haben. Der nationale Gesundheitsdienst (NHS) zahlt jährlich ca. 878 Mio. € für insgesamt 2.300 Krankenhäuser und 10.500 Allgemeinpraxen sowie zahlreiche weitere Stiftungen. Die Kohlenstoffbilanz des nationalen Gesundheitsdienstes beträgt 25 Mio. Tonnen pro Jahr Tendenz steigend, da die Energiekosten stärker ansteigen als die Inflation.

Wasserbehandlung

Die Alternative zur Legionellenkontrolle durch Heißwasser ist die chemische Wasserbehandlung. Der Vorteil der Nutzung von Bioziden gegenüber Heißwasser ist, dass die Dosierung der Biozide proportional zum Wasservolumen ist und unabhängig von dem Wasserdurchfluss im System bleibt, während die Wärmestreuung bei Heizwasser in Bereichen mit geringem Durchfluss erheblich ist.

Biozide können auch zur Behandlung organischer Schadstoffe, die über den Hauptwasseranschluss ins Gebäude gelangen, – ein weiteres Schreckgespenst für Gebäudemanager – verwendet werden. Schadstoffe, wie z.B. Humus und organische Stoffe aus der Erde, die durch die Hauptwasserversorgung in das System gelangen, können die Bildung von Bakterienschleim fördern und somit zum Brutplatz für die potenziell gefährlichen Legionellen werden.

Natriumhypochlorit, besser bekannt als „flüssiges Chlor“, wurde zur Wasserbehandlung und Entfernung von Bakterien und Legionellen verwendet. Das hat jedoch einige Nachteile, da es leicht korrosiv ist und den Geschmack des Wassers verändert.

Es gibt andere, nicht chemische Lösungen zur Wasserbehandlung, wie z.B. UV-Licht, das Bakterien in fließendem Wasser abtöten kann. UV-Licht ist jedoch nicht für alle Anwendungen geeignet, da es eine verminderte Wirkung bei geringem oder keinem Durchfluss aufweist.

Oxidationstechnologie

Bei Chem-Aqua haben wir eine Reihe an Oxidationstechnologieformaten entwickelt – dazu gehören herkömmliche Flüssigkeiten, feste Pasten, Tabletten, Pulver und Granulate.

Eine der effizientesten Oxidationstechnologie ist Chlordioxid. Es ist ein achtmal effektiveres Oxidationsmittel als flüssiges Chlor und erreicht die gleiche Abtötungsrate für Legionellen und Schleimentfernung bei einer niedrigeren Konzentration. Ein weiterer Vorteil von Chlordioxid ist, dass es den Geschmack des Wassers nicht verändert – ein Grund, weshalb z.B. Supermärkte ihr Obst und Gemüse mit Chlordioxid desinfiziertem Wasser waschen.

Bisher stellte das Sicherheitsrisiko bei dem Gebrauch von Chlordioxid zur Vorbereitung einer Lösung mit einem Chlordioxidgenerator vor Ort eine Herausforderung dar. Es wurden jedoch neue Formen von Chlordioxid sowie stabile Lösungen und Feststofftabletten entwickelt.

Integrierte Strategie

Fakt ist, dass Legionellen weiterhin zu Problemen in Wassersystemen führen. HSE-Vorschriften stellen einen großen Schritt in der Bekämpfung dieses Problems dar, sodass die UK mittlerweile den Kampf gegen Legionellen in Europa anführt. Unternehmensleiter könnten die Legionellenbehandlung in Zukunft effektiver gestalten, indem sie einen ganzheitlichen Prozess der chemischen Behandlung und Legionellentests in Betracht ziehen, um kolonisierte Legionellenausbrüche zu minimieren.