IBM, Scheibenwischer und Legionärskrankheit

Ich nehme an, dass Sie alles Wissenswerte über Legionellen bereits kennen. Die Fakten sind schließlich wohl bekannt. Sie wissen womöglich, dass diese Bandlaufwerke, die beispielsweise in IT-Systemen zur Datenspeicherung verwendet werden, beschädigen können. Sie wissen sicher auch, dass Sie sich diese über den Wassertank Ihres Scheibenwischers einfangen können. Ohne Frage sind Sie mit bewährten Verfahren zur Legionellenkontrolle in Ihrem Gebäude vertraut. Sollten Sie keine dieser Aussagen mit Ja beantworten können, rückt die Innovationsplattform für Wasserbehandlung von NCH Europe den Mythos für Sie ins rechte Licht.

Nachdem Wissenschaftler 1976 herausfanden, dass die zur Legionärskrankheit führenden Bakterien sich meist in stehenden Gewässern befinden, wurden Bakterizide zur Behandlung dieses Problems entwickelt.

In den frühen 1980ern kam es jedoch zu einem mysteriösen Massenausfall der von IBM hergestellten Bandlaufwerke, was überall in den USA zu Problemen führte. Zunächst konnte das Unternehmen keine Fehler an den Laufwerken feststellen und deshalb wurde ein Team mit den besten Leuten beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen.

Was diese herausfinden, überraschte alle. Jedes der defekten Laufwerke befand sich in der Nähe eines Lüftungskanals. Das Biozid, das zur Legionellenkontrolle verwendet wurde, enthielt Zinnpartikel, die sich wiederum auf dem Tonköpfen ansammelten und diese zum Absturz brachten.

In diesem Sinne waren Legionellen somit die erste menschliche Krankheit, die Menschen und Maschinen zugleich betraf!

Dennoch hat die Wirkung, die Legionellen auf ihre menschlichen Opfer haben, die stärksten Auswirkungen. Die Symptome gleichen denen einer Lungenentzündung und die Krankheit kann tödlich verlaufen, insbesondere wenn die Patienten zusätzlich vorbelastet sind.

Überraschenderweise – denn obwohl die Legionärskrankheit so leicht zu verhindern ist – tritt sie in der UK und weltweit zunehmend häufiger auf. Leider ist es schwer dies genau zu messen, da viele Fälle fälschlicherweise als Lungenentzündung verzeichnet werden oder gar nicht erst gemeldet werden.

Ursachen der Legionärskrankheit

Die Legionärskrankheit wird durch ein in Teichen, Flüssen und Seen weit verbreitetes Bakterium (Legionellen genannt) verursacht. Die größte Gefahr für den Menschen bergen jedoch speziell angefertigte Wassersysteme. Und ja, laut eines Berichts im European Journal of Epidemiology von 2010 gehört auch der Wassertank der Scheibenwischer Ihres Fahrzeugs dazu. Das sorgte natürlich für Aufsehen – das eigentliche Problem ist jedoch, dass Legionellen regelmäßiger eine weitaus größere Gefahr in größeren Systemen darstellen.

Probleme entstehen, wenn stilles Wasser in Temperaturen von 20-45 °C (68-113 °F) steht und Bakterien ungestört heranwachsen können. Wird die Flüssigkeit dann in ein Aerosol oder Spray umgewandelt, kann diese gefährlich werden.

Menschen infizieren sich mit der Legionärskrankheit, indem sie die kleinen, in der Luft schwebenden Tröpfchen des kontaminierten Wassers, die durch das Aerosol freigesetzt werden, einatmen. Auch in Fällen, die nicht tödlich ausgehen, können die Symptome sehr unangenehm sein, u.a. können Temperaturen von 38 °C (100,4 °F) und mehr erreicht werden und können Muskelschmerzen, Verwirrung, Müdigkeit, Schüttelfrost und Kopfschmerzen auftreten.

Dank der strengen Gesetzgebung und des hohen Bekanntheitsgrads der Legionärskrankheit in der UK – insbesondere im Vergleich zum Rest Europas, wo diesbezüglich ein viel entspannterer Umgang herrscht – liegt die Todesrate durch die Krankheit in dem Inselstaat bei nur 10 %.

Zwischen 2011 und 2013 gab es in der UK 84 Todesfälle, die auf die Legionärskrankheit zurückgeführt werden konnten. Davon kamen 33 % der Betroffenen außerhalb ihres Landes mit den Bakterien in Kontakt.

Vorbeugung der Legionärskrankheit

Das größte Gefahr bergen Systeme mit großen Wassertanks, in denen das Wasser steht, wie z.B. Kalt- und Heißwassersysteme, Luftbefeuchter, Verdunstungskühlanlagen, insbesondere Kühltürme, Thermalbäder und Whirlpools.

Neben Unternehmen mit dieser Art von Systemen sollten auch Unternehmen mit Notfallduschen, Springbrunnen, Luftbefeuchtern, Hybridkühlern, Pasteurisierern oder Luftwäschern Legionellenkontrolle vorweisen können.

Um die Gefahr der Legionärskrankheit zu minimieren, ist es wichtig, alle Wassersysteme regelmäßig unter Einhaltung der örtlichen Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften zu überprüfen und zu warten. Wir von NCH Europe empfehlen jedoch die Einhaltung einer Herangehensweise, die auf einem in der UK angewandten Ansatz basiert und das Risiko minimiert.

Um sicherzugehen, dass kein Bakterienwachstum in den Wasserbehältern stattfindet, sollte der Eigentümer die Wassertemperatur entweder unter 20 °C halten, damit die Bakterien im Ruhezustand bleiben, oder über 60 °C halten, damit die Bakterien nicht überleben können.

Ebenso sollten Gebäudemanager und Betriebsleiter oder Wartungsteams das Wasser freihalten von Verunreinigungen, wie z.B. organischen Stoffen, Schlamm, Kalk und Biofilmen.

Es sollten regelmäßige Kontrollprüfungen als Teil eines genauen, prädiktiven Wartungsplans durchgeführt werden, um sicherzugehen, dass das Wasser nicht kontaminert ist und einer angemessenen Temperatur entspricht.

Sie sollten sich auch an die Management of Health and Safety Work Regulations (MHSWR) halten – durch die Einhaltung dieser Richtlinien sollen Gesundheits- und Sicherheitsprobleme am Arbeitsplatz verhindert werden. Auch die Control of Substances Hazardous to Health Regulations 2002 (COSHH) bietet speziell für die Kontrolle von Legionellen eine Struktur sowie Handlungsvorschläge im Falle von infizierten Wassersystemen.

Des Weiteren sollten die Notification of Cooling Towers and Evaporative Condensers Regulations 1992 sowie an die Control of Legionella Bacteria in water systems: Approved Code of Practice and Guidance L8, 4th edition herangezogen werden.

Optimal wäre es, einen Experten zu kontaktieren, sodass dieser eine Risikobewertung hinsichtlich Legionellen durchführt und ein chemikalienbasiertes oder servicebasiertes Behandlungsprogramm empfiehlt, das Überwachung und Kontrolle sowie regelmäßige Analysen umfasst.

Sie sollten berücksichtigen, dass es sich bei den Änderungen in der vierten Ausgabe von Control of Legionella Bacteria in water systems (Legionellenkontrolle in Wassersystemen) um maßgebliche Änderungen handelt. Als Gebäudeeigentümer sind Sie nun verpflichtet, Ihre Risikobewertung laufend zu aktualisieren und eine schematische Darstellung sowohl für Haushaltssysteme als auch für Kühltürme beizufügen.

Bei Kühltürmen müssen die chemischen Parameter regelmäßig gemessen und berücksichtigt werden, um das Faul-, Kalk- und Korrosionspotenzial berechnen zu können.

Im Falle von Verdampfungskühlungs-Systemen sollten die gemessenen Parameter in Verbindung mit regelmäßigen Inspektionen genutzt werden, um die Sauberkeit des Kühlturms und des Systems insgesamt zu bewerten und dadurch werden die Reinigungs- und Desinfektionsintervalle für das gesamte System ermittelt. Das ist ein entscheidender Unterschied im Vergleich zu vorherigen Richtlinien, wie z.B. in der dritten Ausgabe, in der empfohlen wurde, lediglich alle sechs Monate eine Reinigung durchzuführen.

Defekte Speicherbänder bei IBM sind ein gutes Beispiel dafür, wie die Einhaltung eines vorbildlichen Verfahrens in Form von Richtlinien und Rechtsvorschriften dabei helfen kann, die Probleme eines ganzen Systems zu minimieren. Deshalb empfiehlt NCH Europe, die strengsten Richtlinien (in diesem Fall handelt es sich um jene aus der UK) möglichst strikt zu befolgen. Wenn Sie dies tun, werden Sie feststellen, dass Sie sich schon bald alles Wissenswerte zum Thema Legionellen angeeignet haben werden, oder zumindest alles was Sie wissen müssen, um eine sichere und gut organisierte Anlage zu betreiben.