Neue Regeln für die Risikobewertung sowie strengere Kontrollen bei Legionellen

Kürzliche durch das Amt für Gesundheit und Sicherheit herbeigeführte Vorschriftenänderungen im Hinblick auf Legionellen übertragen mehr Verantwortung auf Unternehmen, um das Legionellenrisiko in ihren Wassersystemen aktiver zu verwalten. Unternehmen, welche die neuen Vorschriften nicht befolgen, drohen strafrechtliche Verfolgungen als Teil einer konzertierten Maßnahme, Verbesserungen in diesem Bereich zu erzielen. Hier geht Dr. Simona Vasilescu von der Innovationsplattform für Wasserbehandlung bei NCH Europe darauf ein, was Unternehmen tun müssen, um die Kontrolle zu bewahren.

Über die Nahrung aufgenommen, ist das „Legionella pneumophila“-Bakterium relativ harmlos. Schließlich kommt dieses in geringer Anzahl in natürlichen Wasserquellen, wie Flüssen, Seen und Reservoirs, vor. Eingeschlossen in einem mikroskopischen Tröpfchen von Wasserdampf und in die Lungen eingeatmet, kann es jedoch zur potenziell tödlichen Legionärskrankheit führen. Mit Symptomen, die einer gewöhnlichen Erkältung ähneln, ist die Krankheit auf den ersten Blick schwer zu diagnostizieren.

Obwohl jeder einem Infektionsrisiko ausgesetzt ist, verschlimmert sich die Wahrscheinlichkeit mit zunehmendem Alter und für Menschen mit einem schwachen Immunsystem, wie z.B. Diabetiker, Raucher oder starke Trinker.

Während die Konzentration von Legionellen in der Natur relativ gering ist, kann sich diese schnell vervielfachen, wenn diese in die Wasserversorgung eines Unternehmens gelangen. Die warmen, feuchten Bedingungen, die durch stehendes Wasser in Vorratstanks, Wärmetauschern und Kilometern von Rohrleitungen entstehen, bieten einen Nährboden, der zu einem schnellen Ausbruch führen kann.

Regulierungsreform

Um Verbesserungen für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz voranzutreiben, greift die britische Regierung bei gefährdeten Geländen hart durch. Das Amt für Gesundheit und Sicherheit hat neue Richtlinien herausgegeben: L8 Approved Code of Practice (ACoP), vierte Ausgabe. Diese Richtlinien werden durch den dreiteiligen technischen Leitfaden ergänzt, um Unternehmen die Einhaltung der Vorschriften zu erleichtern.

Die neuen Regeln übertragen mehr Verantwortung auf Unternehmen sowie auf einzelne Leute mit Verantwortung innerhalb dieser Unternehmen. ‚Verantwortungsträger‘, wie z.B. Arbeitgeber, Vermieter und diejenigen, die Verantwortung für ein Gelände haben, haben nun eine rechtliche Verantwortung dafür, die Gefahr einer Legionellenbelastung zu erkennen und zu bewältigen, Präventiv- und Kontrollmaßnahmen zu erarbeiten, die Aufzeichnung des Vorgangs anhand regelmäßig aktualisierter „lebender Dokumente“ sicherzustellen sowie eine zuständige Person für die Umsetzung von Kontrollmaßnahmen zu benennen.

Schritt für Schritt

Was müssen Sie tun, um sicherzugehen, dass Ihr System nicht gefährdet ist? Im ersten Schritt geht es darum, zu ermitteln, ob es sich bei Ihrem Standort um ein Gelände mit geringem Risiko ist oder nicht. Befinden Sie sich in einem kleinen Gebäude ohne Wasservorratstanks, in dem das kalte Wasser direkt aus der Hauptleitung kommt und Warmwasser direkt aus Durchlauferhitzern oder kleinen Wassererhitzern bei etwa 50 °C zugeführt wird, ist das Expositionsrisiko von Personen sehr gering. Hier stellen Toiletten und Handwaschbecken die einzigen Risikoquellen dar.

Wenn bei Ihnen nur ein geringes Risiko besteht, müssen Sie keine weiteren Kontrollmaßnahmen ergreifen. Sie müssen lediglich eine regelmäßige Risikobewertung vornehmen, den Vorgang dokumentieren und überarbeiten, wenn Änderungen im System vorgenommen wurden.

Für Unternehmen, die aus allem bis auf aus kleinen Gebäuden betrieben werden, ist das Risiko deutlich höher, wie z.B. wenn Sie eine Anlage betreiben. Einrichtungen mit komplexeren Wassersystemen müssen ein Anlagenregister anlegen – ein Fließbild des Systems, das auch Toträume, die Länge von Rohrleitungen, in denen sich Wasser aufstauen kann, die potenziellen Kontaminationsquellen aufzeigt und gleichzeitig derzeitige Desinfektions- und Behandlungsmethoden bewertet.

Ein Wassersystem umfasst das Anlagenausstattung und installierte Komponenten, wie z.B. Rohrleitungen, Pumpen, Einspeisetanks, Duschen, Wärmetauscher, Quenchtanks, Wasserenthärter, Kühler und Luftbefeuchter, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Art von Installation ist häufig anfällig für stagnierende Wassertemperaturen zwischen 20-45 °C in Wasserquellen, die zu Spritzwasser und mit Legionellen belasteten Aerosolen führen können.

Als Unternehmen ist es leicht zu übersehen, dass auch das Versorgungsunternehmen die Verantwortung trägt, für eine bakterienfreie Wasserzufuhr zu sorgen. Sobald das Wasser über Versorgungsnetz und über den Kugelhahn in das Gebäude gelangt, können sich kleine Mengen von Bakterien bereits schnell vervielfachen. Rohrleitungen unter Gebäuden und Einrichtungen sind oft jahrzehntealt und beinthalten Rost, Schleim und mikrobiologische Filme. Diese bieten den perfekten Nährboden für Legionellen.

Stressfrei

Für viele Unternehmen kann diese Prozesssteuerung zu einem Albtraum werden. Obwohl temperaturbasierte Überwachungen vergleichsweise unkompliziert sind, verfügen viele Unternehmen nicht über das nötige Fachwissen, um mit komplexeren Kontrollmethoden, die Chemikaliendosierung und Wasserbehandlung umfassen. Glücklicherweise lassen es die Richtlinien zu, dass ein Unternehmen eine zuständige Person damit beauftragt, die Bewertung und Bekämpfung von Legionellen zu übernehmen.

Bei der Wasserbehandlung ist es wichtig, die richtigen Chemikalien zu verwenden. Egal ob es sich um Chlor, Brom oder andere oxidierende Biozide handelt, ein Verständnis über Kontaktzeit, Systemwasseraustauschraten sowie Halbwertszeit sind unerlässlich für die Entwicklung eines nachhaltigen und langfristigen Wasserbehandlungsplans. Es ist außerdem kosteneffektiver, die Bewertung des Standortgutachtens auszulagern und die Überwachung an einen Experten zu übergeben, der sich damit auskennt, welche Vorschriften Ihr Unternehmen einhalten muss.

Die neuen Regeln sind eindeutiger, wenn es um die Definition der Verantwortung von Unternehmen im Hinblick auf die Milderung des Legionellenrisikos geht. Auf den ersten Blick wirkt dies entmutigend, jedoch kann Ihr Unternehmen mit der richtigen Unterstützung und Kontrollmethode die gesetzlichen Vorgaben einhalten und sogar zu einem Best-Practice-Beispiel werden.